Neu Zugewanderte als Mentor*innen: Wie MITmacher in Engagement & Ehrenamt begleitet

Beim 10. BBE-Fachkongress in Berlin stellte MITmacher am 4. November im Rahmen einer Workshop-Session einen Ansatz vor, der zeigt, wie Teilhabe am Ehrenamt von Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung durch gezielte Unterstützung praktisch gelingen kann. Im Mittelpunkt steht dabei ein Prozess, der Orientierung bietet und Selbstwirksamkeit fördert.

Foto: BBE/Jörg Farys

Gesellschaftliche Teilhabe durch Engagement

Viele neu Zugewanderte möchten aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, Menschen kennenlernen, die Sprache anwenden und die Funktionsweise des Landes verstehen. MITmacher vermittelt nicht nur Ehrenamtsplätze, sondern begleitet Menschen individuell vom ersten Kontakt bis zur erfolgreichen Beteiligung in einer Einsatzstelle. Ziel ist es, durch das Engagement Möglichkeiten für gesellschaftliche Teilhabe und persönliches Wachstum zu eröffnen.

Begleitung statt Barrieren

Damit zugewanderte Menschen sich entsprechend ihrer Interessen engagieren können, braucht es verlässliche und niedrigschwellige Strukturen. MITmacher bietet mehrsprachige Beratung, persönliche Ansprechpersonen und flexible Formate, die Orientierung bieten und Sicherheit schaffen. Workshops, Informationsangebote und Begegnungsräume ermöglichen, Schritt für Schritt Selbstvertrauen aufzubauen und die eigenen Fähigkeiten und Potenziale sichtbar zu machen.

Gerade für Pat*innenschaftsprojekte können diese Erfahrungen ein wertvoller Ansatzpunkt sein, um noch mehr Mentor*innen mit Flucht- und Migrationsgeschichte zu gewinnen. Allerdings muss bedacht werden, dass die Rahmenbedingungen sehr individuell und je nach Bedarf variieren können.                                                                              

Foto: BBE/Jörg Farys

Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Einsatzstellen

Einsatzstellen, die neue Ehrenamtliche aufnehmen möchten, stehen vor der Aufgabe, sich auf eine neue Zielgruppe einzustellen. MITmacher unterstützt konkret, etwa bei der Beratung zu administrativen Fragen oder der Begleitung im laufenden Ehrenamt.

Für Pat*innenschaftsprojekte ist entscheidend, dass eine Integration ins Engagement besonders dann gelingt, wenn auch das bestehende Projektteam entlastet wird, z.B. durch klare Zuständigkeiten, strukturierten Austausch und Raum, Unsicherheiten offen zu benennen.

Ehrenamt als Türöffner zu mehr Selbstwirksamkeit

Wenn individuelle Begleitung, passende Einsatzmöglichkeiten und Offenheit zusammenkommen, wird Ehrenamt zu einem Türöffner für neue Perspektiven, soziale Netzwerke und einen selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft. Die Rückmeldungen der Mitmacher*innen zeigen, wie stark die Wirkung sein kann. Engagement erleichtert das Ankommen, schafft Selbstvertrauen und stärkt die Möglichkeit, das eigene Leben aktiv zu gestalten.

Ein Modell für eine offene Gesellschaft

Damit dieses Potenzial ausgeschöpft wird, braucht es Ressourcen für qualifizierte Begleitung, institutionelle Klarheit und die Bereitschaft, Diversität im Ehrenamt als Chance zu begreifen. Pat*innenschaftsprojekte sollten gezielt Strukturen schaffen, die nicht nur die Mentees, sondern auch die Mentor*innen stärken und den Einstieg ins Engagement niedrigschwellig und motivierend gestalten.

Foto: BBE/Jörg Farys

Drei Impulsfragen für Pat*innenschaftsprojekte

Um die eigene Projektpraxis hinsichtlich der Partizipation von Ehrenamtlichen mit Flucht- und Migrationsgeschichte zu reflektieren, können sich Pat*innenschaftsprojekte folgende Fragen stellen:

  1. Besteht die Möglichkeit, einen niedrigschwelligen Einstieg in das Engagement zu schaffen, damit neue Teilnehmende erste Erfolge erleben und Vertrauen aufbauen können?
  2. Stehen für eine intensive und individuelle Begleitung personelle sowie finanzielle Ressourcen zur Verfügung?
  3. Welche Zielgruppe soll erreicht werden? Und wie können insbesondere Menschen mit Fluchterfahrung in ihren eigenen Ressourcen gestärkt werden, damit sie sich nach ihren Möglichkeiten engagieren können?

Autorin: Anne Busch, MITmacher gUG; Fotos: BBE/Jörg Farys