Das Miteinander filmen

Interview mit dem Filmteam Sebastian Eschenbach und Britta von der Behrens zu den Standortfilmen des Programms Chancenpatenschaften des Bundesverbands Deutscher Stiftungen e.V.

Seit 2016 werden über das Programm Chancenpatenschaften des Bundesverbands Deutscher Stiftungen e.V. Ehrenamtliche und Menschen mit besonderen Bedarfen zusammengebracht. 2025 besuchte ein Filmteam die drei Pat*innenschafts-Standorte in Derne bei Dortmund, Jena in Thüringen und Holzkirchen in Bayern, die Mentoring in ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen ermöglichen und begleiten. Im Interview erzählen die Filmemacher Sebastian Eschenbach und Britta von der Behrens, wie sie sich mit der Aufgabe, Begegnungen in Pat*innenschaften vor Ort filmisch einzufangen, konkret auseinandersetzten.

Foto: privat

Liebe Britta, lieber Sebastian, könntet ihr euch kurz vorstellen, wer ihr seid, wo ihr wohnt, und was euer Beruf ist?

Sebastian: Wir sind Dokumentarfilmer, machen also Dokumentarfilme. Seit vielen Jahren leben wir in der Uckermark, drehen aber Filme überall auf der Welt.

Britta: Wie die meisten Dokumentarfilmer lieben wir das reale Leben in seiner ganzen Vielschichtigkeit und Buntheit. Das Tolle ist, dass die Menschen alle sehr verschieden sind und doch gibt es einiges da sind wir alle gleich, über alle Kulturen und Zeiten hinweg.

Sebastian: Wir haben die Idee der Chancenpat*innenschaften bei einem vorherigen Filmprojekt kennengelernt, als wir angesprochen wurden, an einem solchen Film mitzuarbeiten, waren wir gleich begeistert dabei. Das Programm ist so einfach wie überzeugend.

In euren Filmen werden drei verschiedene Pat*innenschafts-Standorte in Dortmund-Derne/NRW, in Jena/Thüringen und in Holzkirchen/Bayern vorgestellt. Wie habt ihr die Standorte ausgewählt, wie die konkreten, im Film gezeigten Menschen?

Sebastian: Uns war wichtig die Unterschiedlichkeit der Projekte darzustellen: Es gibt Chancenpat*innenschaften in der Stadt, auf dem Land, im Osten und im Westen, Süden, Norden usw. Ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Motivationen machen bei dem Programm mit. Das wollten wir zeigen.

Britta: Bei der Auswahl der Projekte unterstützte uns der Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V.. Bei der Auswahl der Protagonist*innen haben uns dann die Partnerorganisationen vor Ort geholfen. Das lief alles sehr einfach und problemlos. Hier noch einmal einen großen Dank an alle.

Das waren trotz aller Vorbereitungen für alle Beteiligte ein Treffen mit unbekannten Menschen. Wie habt ihr die ersten Begegnungen erlebt? Hat euch etwas überrascht?

Britta: Wir haben sehr gute Erinnerungen an die Treffen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.

Sebastian: Wahrscheinlich auch, weil wir alle dasselbe wollten: Auf das Programm aufmerksam machen, das an ganz konkreten Beispielen zeigen und damit noch mehr Menschen zur Mitarbeit anregen.

Foto: Carolin Hee, Bürgerstiftung Jena

Wie viel Zeit hattet ihr vor Ort für die Dreharbeiten? Wie liefen sie konkret ab?

Sebastian: Wir haben an jedem Ort einen Tag gedreht. Wobei an einem Drehtag das gegenseitige Kennenlernen, sich absprechen, was den Partner*innen vor Ort wichtig ist, wie man das am besten aufnehmen könnte usw. oft fast die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Aber das ist für das Gelingen sehr wichtig. Dann haben wir die Treffen von den Pat*innenschafts-Tandems mit der Kamera begleitet.

Britta: Wir filmen dabei immer sehr beobachtend, inszenieren nichts, stellen aber schon ein paar Fragen. Wir wollen keinen Stress aufbauen, keine Erwartungen … es geht um die Protagonist*innen und ihre Motivation und Sichtweise, nicht um unsere Ideen. Gerade für Menschen, deren Muttersprache nicht deutsch ist, die aber beim Dreh auf Deutsch kommunizieren, ist das eine Herausforderung. Das muss man bedenken.

Was ist eure Erfahrung mit Mentoring als Engagementform bzw. als Ansatz des gesellschaftlichen Miteinanders? Was habt ihr von den Porträtierten über Pat*innenschaften und Mentoring gelernt?

Britta: Das Pat*innenschaftsprinzip kenne ich auch als Mentorin. Ich habe z.B. Ukrainerinnen und ihre Kinder nach der Flucht beim Ankommen unterstützt.

Sebastian: Ja, gesellschaftliches Miteinander ist eine schöne Beschreibung, denn Pat*innenschaften sind ja keine Einbahnstraße. Beide Beteiligten machen neue Erfahrungen und haben etwas davon.

Was könnt ihr als Profis Pat*innenschaftsorganisationen empfehlen, denen die Mittel für ein professionelles Filmteam fehlen, und die selbst kurze (Handy-)Videos über ihre Mentoringarbeit drehen möchten? Worauf sollte besonders geachtet werden?

Wichtig ist sich vorher zu überlegen, für welche Zielgruppe der Film sein soll. Also: Wer spricht hier? Denn bei den Dreharbeiten sollte man bedenken, dass die wichtigsten Personen die Protagonist*innen sind. Es kommt auf ihre Meinung und auf ihre Erfahrung an. Die Filmenden müssen sich zurücknehmen und auch die Technik darf nie im Vordergrund stehen. Auch im Schnitt ist es besser auf alle „Schnick-Schnacks“ zu verzichten. Man sollte immer auf die Aussage hin schneiden.

In unserer Kultur glauben wir, dass Worte sehr wichtig sind. Im Film geht es aber um Bilder und Stimmungen- Da sind weniger Worte oft mehr. Ansonsten: einfach machen, ausprobieren. Viel Erfolg!

Das schriftliche Interview führte Axel Halling, Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V.

Auf der Seite des Programms Chancenpatenschaften sowie auf Youtube können beide Filmversionen des Materials, „Wir im Programm Chancenpatenschaften“ und „das Miteinander moderieren“ angesehen werden.